Susanna Färber über Aromatherapie

Aromatherapie: „Die Qualität der Öle ist das wichtigste“

Susanna Färber merkte schon früh in ihrem Pharmaziestudium und als Schülerin des Aromatherapie-Pioniers Dr. Dietrich Wabner, dass sie sich für Düfte und Wirkungen begeistert. Im Interview erzählt die Apothekerin und Präsidentin der Akademie der Düfte, was die Aromatherapie ausmacht und sie daran fasziniert.

Natural Pure Solids: Beginnen wir unser Gespräch erst mal mit ein paar Grundlagen. Welche unterschiedlichen Arten von Aromatherapie gibt es?

Färber: Die Frage müsste eher sein: Welche unterschiedlichen Arten der Anwendung ätherischer Öle und von Düften gibt es? So teilt sich die Aromatherapie eigentlich in die einzelnen Teilbereiche Raumbeduftung, Aromaküche, Aromapflege beziehungsweise Kosmetik und schließlich die Therapie auf. Mit der Akademie der Düfte, die Aromatherapie-Kurse für den Beruf aber auch Workshops für Neulinge anbietet, versuchen wir die unterschiedlichen Themen mit Leben zu füllen und zu erklären. Die verschiedenen Bereiche der Anwendung lassen sich jedoch oft gar nicht wirklich voneinander trennen, da die ätherischen Öle immer auf mehreren Ebenen wirken; sowohl körperlich als auch psychisch.

Wie kann man sich also die klassische Aromatherapie vorstellen?

An und für sich gibt es da nicht den einen Weg und Therapeuten arbeiten auf unterschiedliche Weisen. Gerade Heilpraktiker setzen ihre Schwerpunkte sehr unterschiedlich und es gibt nicht nur die eine Methode. Überwiegend gilt jedoch das Einreiben und Einmassieren von ätherischen Ölen als die typische Aromatherapie; dann werden die ätherischen Öle sowohl über die Haut als auch über die Nase und Schleimhäute aufgenommen. So findet eine Wirkung auf Körper und Psyche statt. Aber gerade auch im Alltag verwenden viele ätherische Öle: ein Erkältungsbad mit Eukalyptus und Teebaum, zum Einschlafen Lavendel oder Zitrone und Grapefruit für Aktivität und Motivation. Das ist ja das Schöne an der Aromatherapie, dass jeder sie zu Hause selbst anwenden kann.

Stimmt, ein Erkältungsbad genommen oder sich die Brust mit Thymiansalbe eingerieben, das hat wahrscheinlich jeder schon mal. Worauf sollten Interessierte bei der Selbstanwendung allerdings achten?

Als ersten wichtigen Punkt sollten Anwenderinnen und Anwender auf die Qualität der Öle achten. Im Drogerie- und Supermarkt wird einiges im unteren Preisspektrum angeboten, das vielleicht ganz nett riechen mag, aber mit einer therapeutischen Wirkung nichts zu tun hat. Die Akademie der Düfte hat sich gemeinsam mit vier weiteren Vereinen zur „Aroma Alliance“ zusammengeschlossen und Qualitätskriterien entwickelt, mit denen die Verbraucherinnen und Verbraucher an die Hand genommen werden, worauf sie beim Kauf achten müssen. Dafür haben wir auch ein kostenloses E-Learning zur Verfügung gestellt, das unter anderem über die unterschiedlichen Siegel aufklärt, die zur Orientierung dienen können.

Ein weiteres Thema bei der Selbstanwendung ist auch die Verträglichkeit und die Dosierung. Wie sollten Allergiker und Allergikerinnen, Schwangere oder Eltern damit umgehen?

Pauschal ist das nicht zu beantworten, grundsätzlich aber kann man Unverträglichkeiten nicht ausschließen. Um dies zu überprüfen, sollte vor der Anwendung auf der Haut ein „Armbeugentest“ erfolgen. Dabei geben die Anwenderinnen und Anwender einen Tropfen des gewünschten Öls in die Armbeuge und warten einige Stunden, ob eine allergische Reaktion folgt. In diesem Fall wäre nur eine kleine Stelle betroffen. Das ist nicht so schlimm, wie wenn man sich direkt mit dem ganzen Körper in eine volle Badewanne legt. Was Schwangere und Kinder betrifft, sollte die Dosierung immer niedriger gehalten werden als üblich. Zudem sollten bewährte, besonders milde Öle ausgesucht werden. Hier kann man sich von Aromaexperten beraten lassen oder sich selbst weiterbilden.

Wie sieht die wissenschaftliche Beweislage zu der Wirkung der Aromatherapie aus?

In medizinischen Datenbanken finden sich rund 17.000 Studien zu dem Thema ätherische Öle. Dabei wurden auch viele unterschiedliche Bereiche untersucht. Als Apothekerin basiere ich meine Arbeit auf wissenschaftlichen Studien und gebe keine Empfehlungen à la „Wenn man daran glaubt, funktioniert es auch.“ Uns ist es wichtig, auch von der wissenschaftlichen Seite über die Aromatherapie aufzuklären, um deren Seriosität zu erhalten. Jedoch steht der wissenschaftliche Beleg in vielen Anwendungen noch aus und wir arbeiten mit den bisherigen Erfahrungen, die wir im Laufe der Zeit gesammelt haben. Das hängt einfach damit zusammen, dass es für solche Studien auch Geldgeber braucht und da fehlt es häufig an Interessierten.

Wie sind Sie auf die Aromatherapie gestoßen?

Ich habe mich schon während meinem Pharmaziestudium sehr für Naturheilkunde interessiert. Bei Aromatherapie war ich fasziniert davon, dass sich damit so schnell Effekte erreichen lassen. Nach nur wenigen Momenten kann man oft bereits sehen, dass etwas passiert. Außerdem liebe ich Naturdüfte.

Die Akademie der Düfte hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Aromatherapie zu erhalten. Warum ist Ihnen das ein wichtiges Anliegen?

Das Erhalten ist nicht der Hauptaspekt. Der größte Ansporn ist es eher seriöses Wissen über die Aromatherapie und die Faszination für Düfte weiterzugeben. Einerseits ist es mir wichtig, die Liebe zu den Düften zu vermitteln, obwohl natürlich auch nicht alles womit wir arbeiten wahnsinnig gut riecht. Andererseits ist mir aber eben das Wissen sehr wichtig. Ich finde, es sollte beispielsweise allen bewusst sein, dass die Aufschrift „Aromatherapy“ auf einer Shampoo-Flasche aus der Drogerie absolut nichts mit dieser zu tun hat.

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