Die Bergamotte ist eine duftende Zitrusfrucht von der Größe einer Limette, die bei Vollreife eine gelbe Farbe aufweist.
Duftprofil
Der Duft der Bergamotte ist spritzig, frisch, zitronig mit einer süßlich-herben Note, die den Duft so wertvoll macht. Er wirkt leicht, hat aber Tiefe, die beruhigt und entspannt.
Süditalien lässt grüßen
Genetische Untersuchungen zum Ursprung der heutigen Zitrusfrüchte haben ergeben, dass die Bergamotte wahrscheinlich eine Kreuzung aus Limette und Bitterorange ist. Das größte Anbaugebiet für Bergamotte Früchte ist Kalabrien in Süditalien, wo die Bergamotte traditionell beheimatet ist.
Der immergrüne Bergamottebaum wird bis zu 4 Meter hoch, hat längliche Blätter, weiße Blüten und rundliche bis birnenförmige, saure Früchte, die zwischen November und März geerntet werden.

Der duftende Bergamotte Baum gedeiht am besten in mildem, frostarmem Klima mit guter Sonneneinstrahlung und ausreichender Luftfeuchte. Der kommerzielle Anbau konzentriert sich stark auf einen schmalen Küstenstreifen in Kalabrien. Eine Übersicht nennt für 2017 etwa 1.500 Hektar Anbaufläche und rund 18.750 Tonnen Früchte in dieser Region. Für diese Region ist die Bergamotte ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor und weltweit gesehen eine Rarität.

Die Bergamotte kennen viele durch den berühmten Earl Grey Tee, dem sie sein charakteristisches Aroma verleiht. Ihr fruchtiger Duft wird außerdem häufig in Parfüms als Kopfnote für frische Zitrusdüfte verwendet. Durch schonende Kaltpressung wird das ätherische Öl aus den Schalen der Bergamotte Früchten gewonnen.
Fruchtschale
Die Schale ist der für das Aroma wichtigste Pflanzenteil. Es wird durch Kaltpressung das ätherische Bergamotte Öl gewonnen. Dieses Öl ist ein zentraler Rohstoff für Parfümerie, Kosmetik, Aromatherapie und die Aromatisierung von Lebensmitteln.
Fruchtsaft und Fruchtfleisch
Der Saft ist sehr sauer und weniger als Tafelobst beliebt, wird aber für Getränke, Nahrungsergänzungen und Extrakte genutzt. Relevant sind hier vor allem Polyphenole und Flavonoide.

Bergamotte Öl wird in Hautpflege und Parfümerie vor allem wegen seines Duftprofils eingesetzt. In experimentellen und präklinischen Arbeiten werden außerdem antimikrobielle, antioxidative und antiinflammatorische Eigenschaften erforscht. Es gibt auch Arbeiten, die ein Potenzial bei Akne, Entzündungen oder andere Anwendungen für die Haut nahelegen.
Bergamotte als regionale, traditionelle Volksarznei
Die erste dokumentierte menschliche Wahrnehmung der Bergamotte als besondere Pflanze stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert, als sie ausschließlich als Zierpflanze in den Gärten aristokratischer italienischer Familien kultiviert wurde. Ihr pharmakologischer oder ökonomischer Wert war zu dieser Zeit noch nicht erkannt.

Den entscheidenden Wendepunkt markiert das Jahr 1646, als der italienische Professor und Botaniker Giovanni Baptista Ferrari die Pflanze erstmals in wissenschaftlicher Literatur erwähnte. Den kommerziellen Durchbruch brachte gegen 1686 der sizilianische Edelmann Francesco Procopio, der in Frankreich erstmals eine aus der Bergamottenschale gewonnene Essenz — das “bergamot water” — einführte und damit die Parfümindustrie revolutionierte. Fast zeitgleich floss das Öl in das 1709 in Köln entwickelte Eau de Cologne ein. Da die europäische Nachfrage nach dieser Essenz rasch wuchs, wurde 1750 bei Reggio Calabria durch Nicola Parisi der erste bekannte kommerzielle Bergamotten-Obstgarten angelegt.
Erst zwischen 1800 und 1804 beschrieb der Arzt Francesco Calabrò die heilenden und antiinfektiösen Eigenschaften der Bergamotte. Die Frucht wird in der kalabrische Volksmedizin verwendet bei: Fieber, Würmer, Haut- und Schleimhautinfektionen, Wunden, kleinere Verbrennungen, Halsschmerzen, Zahnschmerzen und anderen entzündliche Beschwerden.
Eine Review in Frontiers in Pharmacology hält fest, dass Bergamottenöl in der italienischen Volksmedizin in handwerklichen und hausgemachten Zubereitungen topisch als Antiseptikum zur Desinfektion der Haut und zur Unterstützung der Wundheilung kleiner Verletzungen verwendet wurde.
Das Gewinnungsverfahren des ätherischen Bergamotte Öls hat sich seit 1780 immer weiter verfeinert.
Vorteile von Bergamotte Öl in Deo

Eine große Übersichtsarbeit zu Zitrusölen fasst zusammen, dass diese Öle über viele Arten hinweg antibakterielle, pilzhemmende und antioxidative Eigenschaften zeigen. Dazu zählen unter anderem Süßorange, Bitterorange, Neroli, Zitrone, Limette, Grapefruit und Bergamotte.
Aromatherapie

Für Aromatherapie belegen neue Studien: Bergamotte Öl kann Stress und Anspannung mindern, bleibt aber eine komplementäre Maßnahme.
Bergamotte Öl wird in der Aromatherapie klassisch zur Unterstützung bei:
- Stress
- Anspannung
- ängstlicher und depressive Stimmung
- Unwohlsein, besonders nach der Geburt
Die Anwendung erfolgt über einfache Inhalation.
Entspannung und gute Laune mit Zitrusölen
Tatsächlich gibt es eine neue systematische Übersichtsarbeit mit Netzwerk-Metaanalyse randomisierter Studien kam 2023 zu dem Ergebnis, dass ätherische Öle insgesamt Angstsymptome senken können und dass Citrus aurantium in dieser Analyse zu den am besten abschneidenden Interventionen gehörte; auch Zitrone zeigte in der Auswertung günstige Effekte.
Dazu passen mehrere Einzelstudien:
- Süßorange (Citrus sinensis) zeigte in einer Humanstudie eine akute anxiolytische Wirkung in einer experimentell angstbesetzten Situation; die psychologischen Angstmaße besserten sich, während physiologische Standardparameter nicht in gleichem Maß mitzogen.
- Citrus aurantium / Neroli senkte in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie bei Patient:innen mit akutem Koronarsyndrom die Angstwerte signifikant.
- Auch bei Geburtsangst berichtete eine klinische Studie günstige Effekte von Citrus aurantium-Aromatherapie.
- Für Bergamotte (Citrus bergamia) fand eine Studie an gesunden Frauen kurzfristige psychologische und physiologische Effekte, einschließlich Veränderungen von Stimmung, parasympathischer Aktivität und Speichelcortisol.
Fazit dazu: Für Angst/Stressreduktion gibt es bei mehreren Zitrusdüften echte Humanbefunde, am überzeugendsten für Citrus aurantium, Süßorange und Bergamotte.
Nice to know: Neurologische und kognitive Effekte
Eine Studie zu Zitronenöl-Inhalation untersuchte EEG und Arbeitsgedächtnis und berichtet Aktivierungen in Hirnregionen, die mit Aufmerksamkeit, Gedächtnis und emotionaler Verarbeitung zusammenhängen; außerdem verbesserte sich die Leistung in einer Arbeitsgedächtnisaufgabe.
Außerdem gibt es EEG-Arbeiten, die zeigen, dass Gerüche wie Zitrone die zerebrale Aktivität messbar verändern. Diese Studien sind wichtig, weil sie objektive neurophysiologische Reaktionen belegen, sagen aber noch nicht automatisch, dass daraus ein klinisch relevanter neurologischer Nutzen folgt.


Quellen:
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