Mehr als ein Duftsäckchen
Lavendel kennt jeder.
Und genau das ist das Problem: Kaum eine Pflanze wird so unterschätzt.
Sie landet als billiges Duftsäckchen im Kleiderschrank, als synthetisches Raumspray im Supermarktregal und irgendwie bleibt das Bild hängen. Dabei steckt hinter dem Echten Lavendel einer der vielseitigsten Wirkstoffe der Naturheilkunde, eine über 2500 Jahre alte Geschichte und ein ätherisches Öl, das in der modernen Kosmetikforschung längst neu entdeckt wurde. Es lohnt sich, genauer hinzusehen.

Ausflug in die Geschichte: Lavendel ist unersetzlich
Die Heilpflanze begleitet die Menschheit seit mehr als 2500 Jahren. Bereits die alten Ägypter setzten ihn bei der Mumifizierung und als Duftstoff für Parfüms ein. Spuren von Lavendel konnten sogar im Grab des Pharaos Tutanchamun nachgewiesen werden. Die Römergaben ihm schließlich seinen Namen: lavare – waschen. Sie bedufteten damit ihre Bäder, ihre Kleidung und ihre Körper.
Im Mittelalter nutzten Mediziner während der Schwarzen Pest Lavendel und Alkohol zur Reinigung ihrer Handschuhe und Berichte aus jener Zeit beschreiben, dass Erntehelfer auf den Lavendelfeldern seltener an der Seuche erkrankten. Pestärzte füllten sogar ihre charakteristischen Schnabelmasken mit lavendeldurchtränkten Tüchern, um sich vor Ansteckung zu schützen. Ein früher Hinweis auf die antimikrobielle Wirkung, die die Wissenschaft heute mit dem Wirkstoff Linalool erklären kann.
Lavendel als Schutz
Im viktorianischen England trugen junge Frauen Lavendelöl in kleinen Metallbehältern namens „Vinaigrette“ bei sich, ein mit Essig und Lavendelöl getränkter Schwamm schützte vor unangenehmen Gerüchen der Stadt. Lavendel war damals Luxus, Hygienemittel und Statussymbol zugleich.
Und dann ist da noch die Geschichte von Charles Denny, einem in London geborenen Parfümeur, der sich 1922 so sehr in den Duft des Echten Lavendels verliebte, dass er mit nur wenigen Setzlingen von Frankreich nach Australien auswanderte, auf der Suche nach dem perfekten Boden für seine geliebte Pflanze. Er fand ihn in Tasmanien und gründete dort die Bridestowe Lavender Farm, die zeitweise rund 20% des weltweiten Lavendelöls produzierte.
Eine Geschichte, die zeigt: Wer einmal wirklich hochwertigen Lavendel kennt, lässt ihn nicht mehr los.

Nicht jeder Lavendel ist gleich
Lavendel gehört bei den Pflanzen zur Familie der Lippenblütler. Hierbei gibt es mehr als 30 Arten, die meisten werden als Zierpflanzen genutzt und einige auch zur Ölgewinnung. Der Echte Lavendel, Lavandula Angustifolia, der als Heilpflanze verwendet wird, wächst als Strauch bis zu 100 Zentimeter Höhe. Seine Heimat sind ursprünglich die Küsten des Mittelmeerraumes. Die Gattung des Lavendel lässt sich in drei Untergattungen und diese wiederum in acht Sektionen aufteilen.1 Hierbei sind sind die drei wichtigsten Sorten, die zur Untergattung der Lavandula zählen:
Lavandula Angustifolia (Echter Lavendel)
- Schmalblättriger Lavendel
- niedrige Wuchshöhe, besonders gut in Höhenlagen mit viel Sonneneinstrahlung
- durch geringen Ertrag und höherer Qualität teurer
- in höheren Lagen verbessert sich die Qualität und der Nutzen in der Naturheilkunde
- Duftprofil: sanfter, blumiger und sehr aromatischer Geruch

Lavandula Latifolia (Speiklavendel)
- Breitblättriger Lavendel
- kommt noch wildwachsend vor, in Spanien und Südfrankreich
- braucht viel Sonne, gedeiht weniger gut und ist anfällig
- gehört, wie der Echte Lavendel, zu den großen Heilpflanzen
- Duftprofil: frisch, intensiv, kampherartig

Lavandula Intermedia (Lavandin)
- Hybrid aus Echtem Lavendel und Speiklavendel
- hohe Ertragsrate, da er anspruchslos im Anbau ist
- an großen Blüten und Blättern zu erkennen
- hat eine untergeordnete Rolle in der Heilwirkung und geringere Qualität, da nur die Spitzen der Pflanze verwendet werden
- wird häufig von der Parfümindustrie genutzt, günstig
- findet in Ziergärten seinen Platz im Anbau
- Duftprofil: schwach blumig, süßlich

Wirkstoffe: Was steckt hinter der Kraft des Lavendels?
Die beruhigende und pflegende Wirkung des Lavendels lässt sich auf konkrete Inhaltsstoffe zurückführen. Wer versteht, was im Öl steckt, versteht auch, warum nicht jedes „Lavendel“ Produkt dasselbe leistet.
Linalool
Den größten Anteil im ätherischen Öl des Echten Lavendels macht Linalool aus, je nach Herkunft zwischen 25 und 45 %. Er wirkt antimikrobiell, entzündungshemmend und greift beruhigend in das Nervensystem ein. Das erklärt die entspannende Wirkung in der Aromatherapie.
Linalylacetat
Der zweite Hauptwirkstoff kommt im Echten Lavendel ebenfalls in hoher Konzentration vor (ca. 25–46 %). Er ist maßgeblich für den charakteristischen Duft verantwortlich und wirkt zusätzlich krampflösend und hautberuhigend.
Lavendel in der Hautpflege – und in unseren Produkten
Lavendelöl gehört zu den wenigen ätherischen Ölen, die pur auf die Haut aufgetragen werden können, ein Zeichen für seine außergewöhnliche Verträglichkeit trotz Allergenen.
Die antiseptische und entzündungshemmende Wirkung macht es zum wertvollen Inhaltsstoff in der Naturkosmetik, besonders bei unreiner, gereizter oder empfindlicher Haut.

Gesichtspflege
Bei Unreinheiten und Akne hemmt Lavendelöl das Bakterienwachstum und beruhigt gereizte Hautstellen, ohne die Haut auszutrocknen. Gleichzeitig beugt es der Entstehung von Hautpilzen vor. Diese Eigenschaften machen es zum idealen Wirkstoff im Facial Cleanser – zusammen mit Kamille, für eine Verstärkung der entzündungshemmenden Wirkung.
Körperpflege
Auf der Körperhaut wirkt Lavendelöl ausgleichend und pflegend. In der Duschseife Neem-Teebaumöl erhöht es die Verträglichkeit der anderen Wirkstoffe und sorgt für ein angenehmes Dufterlebnis. Die Salzseife Aktivkohle Lavendel-Patchouli kombiniert die reinigende Tiefenwirkung der Aktivkohle mit den beruhigenden Eigenschaften des Lavendels – ideal für beanspruchte Haut.
Kopfhaut und Haare
Auch die Kopfhaut profitiert von Lavendelöl: Es wirkt beruhigend bei Juckreiz und Schuppenbildung und unterstützt ein gesundes Kopfhautmilieu. In der Haarseife Babassu-Kamille ergänzt Lavendel die milde Reinigungswirkung und macht sie besonders geeignet für sensible Kopfhaut.
Desodorierende Wirkung
Weniger bekannt, aber bemerkenswert: Lavendelöl hemmt geruchsbildende Bakterien auf natürliche Weise. In unserer Deo Bar Lavendel verstärkt es die geruchshemmende Wirkung der mineralischen Formulierung und sorgt gleichzeitig für einen frischen, angenehmen Duft – ganz ohne synthetische Duftstoffe.





Aromatherapie – Lavendel für Geist und Seele
Kaum ein Duft wirkt so unmittelbar auf das Nervensystem wie Lavendel. Das ist keine Einbildung, es ist Biochemie: Der Wirkstoff Linalool greift nachweislich in die Signalwege des Gehirns ein und wirkt beruhigend, angstlösend und entspannend. Ätherisches Öl aus Höhenlagen enthält davon besonders viel.
In der Aromatherapie wird Lavendel deshalb bei Nervosität, Angstzuständen und Schlafstörungen eingesetzt. Ein paar Tropfen im Badewasser, ein Säckchen unter dem Kopfkissen oder einfach ein tiefer Atemzug, die Wirkung setzt schnell ein und ist auch für Kinder gut verträglich. Gleichzeitig wirkt Lavendel nicht einseitig sedierend, sondern ausgleichend: Bei Anspannung beruhigt er, bei Erschöpfung gibt er der Seele neue Kraft und verschafft einen klaren Kopf. Er ist damit einer der wenigen Düfte, der sowohl zur Entspannung als auch zur Stimmungsaufhellung eingesetzt werden kann.
Lavendel in der Küche und Naturheilkunde
Als Tee zubereitet löst Lavendel Schleim und wirkt krampflösend – bei Erkältungen und Atemwegserkrankungen eine bewährte Hausmittel Alternative. Hildegard von Bingen empfahl bereits im 12. Jahrhundert, Lavendel mit Wein oder Honig zu kochen, um Schmerzen in der Brust und Lunge zu lindern.
„Wer Lavendel mit Wein oder, wenn er keinen Wein hat, mit Honig und Wasser kocht und oft lauwarm trinkt, der mildert den Schmerz in der Leber und in der Lunge und die Dämpfigkeit seiner Brust.“
Hildegard von Bingen

Wer Lavendel und Honig zusammendenkt, landet unweigerlich beim Lavendelhonig – einer Delikatesse, die besonders aus der Provence bekannt ist. Er schmeckt leicht fruchtig und würzig, je dunkler, umso intensiver. Eine Besonderheit der französischen Küche, die zeigt: Lavendel ist weit mehr als ein Duftstoff.
Ein Duft, der Erinnerungen weckt
Lavendelduft ist schwer in Worte zu fassen und genau das macht ihn so besonders. Er ist frisch und warm zugleich, blumig ohne aufdringlich zu sein und trägt eine leichte Balsamnote, die sich lange hält. Kein Wunder, dass er seit Jahrhunderten Menschen in seinen Bann zieht: Ein einziger Atemzug, und man steht mitten in einem provenzalischen Lavendelfeld, die Sonne im Gesicht. In der Parfümerie gilt er als echter Teamplayer, er hebt andere Duftnoten an, rundet sie ab und verleiht jeder Komposition eine natürliche Eleganz.
Quellen:
Haut & Kosmetik
1. Antimikrobielle Wirkung auf die Gesichtshaut: Gedikoğlu, A., et al.: Analysis of the Chemical Composition, Antimicrobial, and Antioxidant Qualities of Microwave and Supercritical CO2-Extracted Lavender Essential Oils Cultivated in a Hyperarid Region of Türkiye, in: Molecules, 2024, 29(23). 👉 pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39683763
2. Anti-Psoriasis-Wirkung von Linalool & Linalylacetat : Rai, Vineet Kumar et al.: Anti-psoriatic effect of Lavandula angustifolia essential oil and its major components linalool and linalyl acetate, in: Journal of ethnopharmacology, 261 (2020).👉 pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32623016
Wirkstoffe & Sicherheit
3. Sicherheitsbewertung von Linalool & Linalylacetat: Hareng, Lars et al.: Critical assessment of the endocrine potential of Linalool and Linalyl acetate: proactive testing strategy assessing estrogenic and androgenic activity of Lavender oil main components, in: Archives of toxicology, 98,1 (2024). 👉 pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10761525
Aromatherapie & Nervensystem
4. Übersichtsartikel zu bioaktiven Inhaltsstoffen von Lavandula: Batiha, Gaber El-Saber et al.: A review of the bioactive components and pharmacological properties of Lavandula species, in: Naunyn-Schmiedeberg’s archives of pharmacology, 396,5 (2023). 👉 pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10079719