Neue Verordnung und ihre Bedeutung
Natürliche Kosmetik lebt von echten Pflanzenauszügen, ätherischen Ölen und sorgsam ausgewählten Rohstoffen. Genau diese natürliche Vielfalt bringt jedoch eine chemische Komplexität mit sich: Einige Inhaltsstoffe, die in Lavendelöl, Zitrusölen oder anderen Pflanzenauszügen stecken, können bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen auslösen. Die Europäische Union hat deshalb die Kennzeichnungspflicht für Kosmetikprodukte überarbeitet und wir setzen diese Vorgaben gesetzeskonform um.
Was sind kosmetische Allergene überhaupt?
Allergene sind chemische Verbindungen, die das Immunsystem mancher Menschen als fremd erkennen und mit einer Überreaktion beantworten. In der Kosmetik kommen sie fast ausschließlich in Form von Duftstoffen vor, entweder künstlich zugesetzt oder als natürlicher Bestandteil ätherischer Öle. Linalool etwa ist eine typische Verbindung im Lavendelöl, Limonene findet sich in nahezu allen Zitrusfrüchten, und Geraniol prägt den charakteristischen Duft von Rosen und Rosengeranien.
Wichtig zu verstehen: Diese Allergene sind oft genau die Stoffe, die auch für die meisten Menschen gesundheitliche Vorteile bieten.
Beruhigung und Entspannung durch Allergene
Was wir beim Inhalieren eines Lavendelseifenstücks als wohltuend empfinden, hat eine messbare biochemische Grundlage. Linalool, die Hauptverbindung im Lavendelöl, wirkt laut mehreren Tierstudien über dasselbe Nervensystem-System wie klinische Beruhigungsmittel: Es aktiviert die Bremsen im zentralen Nervensystem und verschiebt dabei nachweislich das Gleichgewicht vom Stressmodus hin zur Entspannungsreaktion. 1 Limonene, der charakteristische Duftstoff aller Zitrusfrüchte, regt in Laborversuchen die Ausschüttung gleich zweier natürlicher Botenstoffe des Gehirns an, die für Stimmung und innere Ruhe zuständig sind. In einer Humanstudie zeigten Probanden, die einem Limonene-Duft ausgesetzt waren, einen messbaren Rückgang von Blutdruck und Herzfrequenz. 2 Und α-Pinene aus Wacholder und Kiefer bindet direkt an dieselbe Rezeptorstelle wie bekannte Schlafmittel mit milderem, aber strukturell verwandtem Profil. 3
Das bedeutet keine Heilsversprechen. Kosmetik ist keine Medizin, und die Studienlage ist noch unvollständig. Aber es bedeutet: Die Stoffe, die wir deklarieren sind keine bloßen Duftbestandteile. Sie sind biologisch aktive Verbindungen und das ist genau der Grund, warum wir so sorgfältig mit ihnen umgehen.
Bürokratische Vorgaben für 80+ Allergene
Seit Jahren mussten Kosmetikhersteller 24 bekannte Kontaktallergene ab bestimmten Mengen auf der Verpackung ausweisen. Diese Liste stammte noch aus den frühen 2000er-Jahren. Die neue EU-Verordnung bringt eine deutliche Erweiterung: Statt 26 sind künftig über 80! Duftstoffallergene ab Ende Juli 2026 kennzeichnungspflichtig.
| Abspülprodukte (Rinse-off) | Verbleibende Produkte (Leave-on) |
| 0,01 % | 0,001 % |
| Seife, Shampoo, Conditioner — kurzen Kontakt, werden abgespült | Creme, Serum, Deo — länger auf der Haut, strengerer Grenzwert |
Wird ein Allergen in einem Produkt in höherer Konzentration als dieser Schwellenwert nachgewiesen, muss es namentlich im INCI-Verzeichnis (Inhaltsstoffe) auf der Verpackung erscheinen. Je länger ein Produkt auf der Haut verbleibt, desto niedriger die Toleranzschwelle. Dies stellt eine logische Abstufung nach tatsächlichem Expositionsrisiko dar.
„Transparenz bedeutet nicht Warnung — sondern Respekt gegenüber Menschen, die ihren Körper kennen.“
Die wichtigsten Allergene in unseren Produkten
Weil wir ausschließlich mit natürlichen ätherischen Ölen arbeiten, sind die deklarationspflichtigen Allergene in unseren Produkten immer natürlichen Ursprungs, also keine synthetischen Zusätze, sondern Bestandteile der Pflanzen selbst.

Die markierten Allergene gehören zur Erweiterung der neuen Verordnung. Es sind Stoffe, die wissenschaftlich als relevant eingestuft wurden, bisher aber unterhalb der Deklarationspflicht lagen. Mit der neuen Regelung müssen wir auch sie ausweisen, sobald sie einen bestimmten Anteil überschreiten.
Warum jetzt Aufkleber auf unseren Kartons?
Unsere Produkte werden in hochwertigen Pappschachteln verpackt, sorgfältig gestaltet, ressourcenbewusst produziert. Als die neue Verordnung in Kraft trat, standen wir vor einer praktischen Frage: Was passiert mit dem bereits gedruckten Bestand an Verpackungen, der die neue, erweiterte Allergenliste noch nicht enthält?
Unsere Lösung: ein kleiner Aufkleber, präzise platziert. Auf diesem drucken wir die vollständige, aktualisierte Zutatenliste gemäß der neuen Verordnung und bringen ihn auf den bestehenden Kartons an. So können wir die bereits hergestellten Verpackungen vollständig aufbrauchen, ohne Material zu verschwenden, und sind trotzdem lückenlos konform mit den EU-Vorgaben.
Der Aufkleber überdeckt dabei ausschließlich die Zutatenliste der alten Version. Alle anderen Angaben, Produktname, Füllmenge, Anwendungshinweise, bleiben sichtbar. Es ist kein Zeichen einer Produktänderung, sondern schlicht der sichtbarste Ausdruck unseres Qualitätsanspruchs: vollständige Transparenz, auch wenn es mehr Aufwand bedeutet.
Wir hätten auch den einfacheren Weg wählen können und alle alten Kartons entsorgen. Das war für uns keine Option. Stattdessen haben wir jedes unserer Produkte einzeln durchgerechnet, die Allergenwerte der Rohstoffe bei unseren Lieferanten angefragt, und für jede Formulierung exakt ermittelt, welche Stoffe neu deklariert werden müssen. Dahinter stecken viele Stunden sorgfältiger Arbeit und die Überzeugung, dass gute Kosmetik keine Geheimnisse braucht.
1 Harada, H. et. al: Linalool Odor-Induced Anxiolytic Effects in Mice, in: Front. Behav. Neurosci., 12 (2018). https://doi.org/10.3389/fnbeh.2018.00241
2 Spindle, Tory R. et. al.: Vaporized D-limonene selectively mitigates the acute anxiogenic effects of Δ9-tetrahydrocannabinol in healthy adults who intermittently use cannabis, in: Drug and Alcohol Dependence, 257 (2024). https://doi.org/10.1016/j.drugalcdep.2024.111267
3 Yang, Hyejin et. al.: α-Pinene, a Major Constituent of Pine Tree Oils, Enhances Non-Rapid Eye Movement Sleep in Mice through GABAA-benzodiazepine Receptors, in: Molecular Pharmacology, 90 (2016). https://doi.org/10.1124/mol.116.105080
Bilder: Natural Pure Solids, Canva
