Naturseife, Überfettung von Seife

FAQ – Überfettung von Seife

Naturseifen sind kein Trend mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit in der Alltagsroutine natürlicher Körperpflege. Wir wollen hier gerne einige Fragen verständlich beantworten, die immer wieder gestellt werden. Die größten Unsicherheiten betreffen die Überfettung von Körper- und Haarseifen.

Was ist Überfettung bei Seifen?

Naturseifen sind fast immer überfettet. Das bedeutet, dass in einer Seife extra Fett oder Öl enthalten ist, das nicht verseift wird – also nicht zu Seife wird.

Wie wird eine Seife überfettet?

Der Seifensieder mischt geschmolzene Fette, Öle und Lauge. Dabei entsteht ein chemischer Prozess, die Verseifung. Chemisch betrachtet spaltet die Natronlauge (NaOH) die Fettsäuren und es entsteht Seife und quasi als Nebenprodukt natürliches Glycerin.

Seife sieden, handgemachte Seife rühren, Fette für handgemachte Seife schmelzen, Lauge anrühren

Wenn man jetzt etwas weniger Lauge nimmt, als man eigentlich bräuchte, bleibt ein Teil des Fettes der nicht in Seife umgewandelt wird übrig – das nennt man Überfettung.

Warum ist das gut?

  • Beim Verwenden der Seife entsteht dadurch ein rückfettender Effekt, der Haut und Haare pflegt
  • Der Seifensieder hat unzählige Möglichkeiten, Fette und Öle in den Rezepturen zu mischen und sie auf individuelle Bedürfnisse abzustimmen.

Beispiel:

  • Ohne Überfettung: 100 g Fett + 100 % Lauge → alles wird zu Seife
  • Mit 8 % Überfettung: 100 g Fett + nur 92 % Lauge → 8 g Fett bleiben „frei“ in der Seife

Fett ist nicht gleich Fett

Jedes Fett und jedes Öl ist anders aufgebaut. Es gint in der Zusammensetzung der Fettsäuren kurzkettige Fettsäuren und langkettige Fettsäuren. Deshalb brauchen die Fette und Öle unterschiedlich viel Lauge um komplett zu verseifen. Aus diesem Grund gibt es Verseifungszahlen.

Pflanzenöle für trockene Haut und Haare

Was genau sagt uns die Verseifungszahl?

Die Verseifungszahl sagt aus, wieviel mg NAOH (Natriumhydroxid) gebraucht wird, um 1 Gramm Fett vollständig zu verseifen.

Beispiel:

  • Kokosfett hat eine hohe Zahl (~250) → braucht mehr Lauge
  • Olivenöl hat eine niedrigere Zahl (~190) → braucht weniger Lauge

Wofür braucht man das in der Praxis?

Um den Härtegrad, die Schaumentwicklung und den pH- Wert zu berechnen

Kurzkettige Fettsäuren haben höhere Verseifungszahlen (z. B. Kokosfett).

Langkettige Fettsäuren haben eher niedrige Verseifungszahlen (z. B. Rapsöl, Olivenöl).

Überfettung von Seife mit Jojobaöl, Pflanzenöle für handgemachte Seife rühren

Was bedeutet es, wenn eine Seife extra überfettet ist?

…und was ist eigentlich „Superfett“?

Die Begriffe „extraüberfettet“ und „Superfett“ (engl. superfat) beziehen sich beide auf den Fettüberschuss in handgemachten Seifen, aber sie werden manchmal unterschiedlich verwendet.

Warum ist nicht nur die Überfettung, sondern auch die Zusammensetzung von Fetten und Ölen wichtig?

Zwei Seifen mit gleichem Überfettungsgrad können ganz unterschiedlich wirken

Was bedeutet das konkret?

  • Eine Seife mit 5 % Überfettung, die nur aus Kokos- und Rapsöl besteht, wirkt ganz anders als eine mit 5 % Überfettung aus Olivenöl, Jojobaöl und Sheabutter.
  • Die erste reinigt stärker, die zweite pflegt intensiver.

Darum sollte man beim Kauf einer Naturseife immer beides betrachten:

Wieviel wird überfettet?

Womit wird überfettet?

Beispiele:

  • Kokosöl: reinigt stark und schäumt gut. Es sollte aber mit anderen pflegenden Fetten und Ölen ergänzt werden, da es in hohen Mengen austrocknend wirken kann.
  • Olivenöl: sehr pflegend und mild. Es macht die Seife an der Oberfläche leicht schleimig und der Schaum ist eher wenig, dafür cremig.
  • Rizinusöl: sorgt für cremigen, stabilen Schaum – ideal bei Haarseifen, die besser aufschäumen sollen und hat einen starken Reinigungseffekt. Macht die Seife aber in großen Mengen weich.
  • Jojobaöl: ist besonders pflegend für Haut und Haare und hinterlässt keinen fettenden Film, stabilisiert andere Fette, macht Seife weich.
  • Avocadoöl: (als Überfettung): besonders pflegend, zieht gut ein und fettet nicht nach. Macht die Seife weniger haltbar.
  • Sheabutter: wenig Schaum, sehr pflegend für Haut und Haare, beruhigt die Haut und Kopfhaut und macht das Haar geschmeidig. Super bei empfindlicher Haut, trockener Haut oder schuppiger Kopfhaut.

Wieviel Prozent Überfettung sollte eine Haarseife haben?

Haare waschen mit Seife

Für die meisten Haartypen hat sich ein Überfettungsgrad von 2–5 % bewährt. Warum?

  • 2 – 3 %: Ideal für feines oder leicht fettendes Haar. Diese Seifen reinigen gründlich, ohne die Kopfhaut auszutrocknen.
  • 3 – 5 %: Gut geeignet für normales bis trockenes Haar. Sie sorgen für Pflege und Schutz, ohne Rückstände zu hinterlassen.

Besondere Fälle:

  • Sehr trockenes, krauses oder lockiges Haar kann auch mit 6–8 % Überfettung profitieren – aber Achtung: je höher der Wert, desto eher kann ein leichter Film im Haar zurückbleiben, besonders bei kalkhaltigem Wasser.
  • Für fettiges Haar ist ein niedrigerer Überfettungsgrad (1–3 %) besser geeignet.

Warum sind Salzseifen so hoch überfettet?

Salzseifen nehmen eine Sonderstellung ein. Hier hat allein das Salz schon eine reinigende und – kommt auf das Salz drauf an – auch pflegende Wirkung. Deshalb ist es durchaus möglich eine Salzseife mit 30% Überfettung zur Haarwäsche zu benutzen. Eine dieser Spezial Salzseifen für Haut und Haare ist die Salzseife Wacholderbeere – Rosmarin.

Salzseife mit hoher Überfettung

Tipp:
Jede Kopfhaut reagiert anders. Wenn du Haarseifen Einsteiger, teste am besten eine Seife mit 2–3 % Überfettung und beobachte, wie Kopfhaut und Haare darauf reagieren. Eine Empfehlung hierzu: Verwende eine allergenfreie Haarseife ohne Duft- und Farbstoffe, wie z.B. die Haarseife Apfel – Kakao.

Nach ein paar Haarwäschen kannst du dich dann bei der Überfettung „hocharbeiten“.

Warum wirken meine Haare nach der Haarseifenwäsche fettig oder strähnig?

Das kann verschiedene Gründe haben – und ist gerade am Anfang ganz normal. Hier sind die häufigsten Ursachen:

1. Umstellungsphase

Wenn du bisher Shampoo mit Tensiden verwendet hast, muss sich deine Kopfhaut erst umgewöhnen. Tenside entfetten stark, das regt die Talgproduktion an und die Haare fetten schnell nach.
Nach der Umstellung produziert die Kopfhaut oft noch zu viel Fett, bis sich das Gleichgewicht wieder eingespielt hat. Das kann einige Tage bis Wochen dauern.

2. Zu hoher Überfettungsgrad

Haarseifen enthalten pflegende Öle und Fette. Ist die Überfettung zu hoch für deinen Haartyp (z. B. bei feinem oder schnell fettendem Haar), kann das einen schweren oder fettigen Film hinterlassen.
Empfehlung: Eine Seife mit 2–3 % Überfettung probieren.

3. Ausspülen

Wird die Seife nicht gründlich mit warmem Wasser ausgespült, bleiben Rückstände zurück. Faustregel: Mindestens 3x so lange ausspülen, wie shampooniert wurde.
Tipp: Seife in den Händen aufschäumen und nur den Schaum ins Haar geben. Immer sehr gründlich ausspülen. Hier gibt es eine Schritt für Schritt Anleitung für die richtige Anwendung von Haarseife.

4. Kalkhaltiges Wasser

Hartes Wasser kann mit Seifenresten reagieren und sogenannte „Kalkseife“ im Haar hinterlassen.
Eine Saure Rinse (z. B. 1 EL Apfelessig auf 1 L Wasser) hilft, Rückstände zu entfernen und das Haar zu glätten. DIY Rezepte und Kombis mit Haarseifen findest du hier in unserem Beitrag.

Fazit:
Das fettige Gefühl liegt meist an einer Kombination aus Umstellung, Wasserhärte und Überfettungsgrad. Gib deinem Haar etwas Zeit, experimentiere mit der verschiedenen Seifen für deinen Haartyp und nutze ggf. eine saure Rinse.

Haarseife entfettet nicht so stark die Kopfhaut wie Tenside (waschaktive Substanzen) in deinem Shampoo. Deine Kopfhaut ist es aber noch gewöhnt wieder schnell nachfetten zu müssen, da die Shampoos immer den von der Kopfhaut produzierten Talg vollständig entfernen.

Unverseifbares – das Wichtigste zum Schluss

Der Überfettungsgrad sagt also wieviel überschüssiges Fett in der Seife bleibt, aber nicht welche Fette das sind. Und genau das macht einen großen Unterschied! Denn jedes Öl bringt eigene Eigenschaften in den wichtigen unverseifbaren Bestandteilen mit, die das Waschergebnis beeinflussen.

Was ist „Unverseifbares“?

Unverseifbares bezeichnet den Anteil in einem Fett oder Öl, der sich nicht mit Lauge verseifen lässt, also nicht in Seife umgewandelt wird, unabhängig von der Überfettung.

Diese unverseifbaren Bestandteile sind das Geheimnis eines jeden guten Seifensieders. Muss er sich doch mit Fettsäuren genauso gut auskennen wie mit den pflegenden Zusatzstoffen die Pflanzenöle natürlicherweise mitbringen und die machen das gewisse Etwas in einer Naturseife aus.

Naturseife mit ätherischen Ölen herstellen

Unverseifbare Bestandteile sind:

  • Sterole (z. B. β-Sitosterol) wirkt entzündungshemmend und antioxidativ (z.B. in Brennnesselsamenöl, Weizenkeimöl)
  • Tocopherole (Vitamin E): schützt die Haut und das Öl vor Oxidation (z.B. in Sheabutter, Sonnenblumenöl)
  • Carotinoide: wirken antioxidativ (Olivenöl, Hanföl, Leinöl)
  • Squalen: feuchtigkeitsspendend und antioxidativ (z.B. in Avocadoöl und Olivenöl)
  • Wachse: glättend und schützend (z.B. Jojobaöl)
  • Triterpenalkohole: hautregenerierend und entzündungshemmend (z.B. in Sheabutter)
  • Polyphenole: antioxidativ, antimikrobiell (z.B. in Olivenöl und Traubenkernöl)

Den höchsten Anteil an Unverseifbarem haben Jojobaöl und Sheabutter.

Jojobaöl als Rohstoff für Naturkosmetik

Quelle: Natural Pure Solids

Bilder: Natural Pure Solids, Canva

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